Diese US-Soap-Opera ist inzwischen leider traurig aber auf eine sehr düstere Art auch unterhaltsam.
Es läuft gefühlt nur noch nach dem Motto: „Das klingt so absurd, das kann doch nicht wahr sein“ und dann ist es meistens doch wahr.
Idiocracy haben wir während Corona ja eigentlich schon den ersten Durchlauf gestartet. Stichwort: Desinfektionsmittel, Bleiche und „ganz neue medizinische Ideen“ ihr erinnert euch. Seitdem wurde der Film politisch offenbar zwei- bis dreimal durchgespielt.
Ich hätte wirklich nie gedacht, dass aus einer Mike-Judge-Komödie (Macher von
Beavis & Butt-Head ) irgendwann eine Art halboffizielle Gesellschaftsdokumentation wird. Die offene Frage ist eigentlich nur noch, wann irgendein Trump-Verwandter bei PepsiCo einsteigt und den Leuten erklärt, dass Gatorade selbstverständlich auch für die Landwirtschaft geeignet ist. Immerhin: Präsident Camacho wirkte dabei wenigstens meistens wach.
Traurig, aber auf eine schwer wegzuschauende Weise unterhaltsam. Solange Donald Trump politisch noch eine Rolle spielt, wird man diesen ganzen Zirkus vermutlich weiterverfolge... nicht, weil es schön ist, sondern weil man wissen will, wie tief der Plot noch fällt.
Wenn man einigen ärztlichen Einschätzungen und öffentlichen Beobachtern glauben darf, wirkt sein geistiger Zustand inzwischen zumindest nicht mehr wie das, was man in einer funktionierenden Demokratie beruhigend nennen würde. Und dass im Zusammenhang mit dem 25th Amendment überhaupt wieder diskutiert wird, ob ein Präsident noch amtsfähig ist, sagt eigentlich schon genug über den Zustand dieser politischen Reality-Show aus. Nur scheint ein großer Teil der Öffentlichkeit inzwischen so abgestumpft zu sein, dass selbst das kaum noch richtig durchdringt.
Mein Eindruck: MAGA zeigt jetzt schon deutliche Risse. Wenn Trump irgendwann von der Bühne verschwindet, dürfte vieles davon auseinanderfallen. Übrig bleibt vermutlich ein harter ultrarechter Kern, der dann weiter alles glaubt, solange es nur laut genug behauptet wird.
Und wenn man schon über mögliche Gegenentwürfe spricht: Gavin Newsom hat durchaus den Schneid und auch das Potential, irgendwann als ernsthafter Kandidat für die US-Präsidentschaft aufzutreten. Das Problem ist nur: Er ist Kalifornier. Und für viele Wähler im Mittleren Westen und im Süden ist das offenbar schon fast ein politisches Ausschlusskriterium. Kalifornien steht dort eben schnell für „Juppies“, Hollywood, Großstadt-Eliten und viel zu viel Weltoffenheit. Kurz gesagt: Für alles, was man angeblich ablehnt, während man es heimlich auf dem iPhone konsumiert.
Und wo wir schon beim Thema Wahlen sind: Das amerikanische Wahlsystem gehört dringend überarbeitet. Tradition hin oder her. Irgendwann darf man auch mal merken, dass „haben wir schon immer so gemacht“ kein Qualitätsmerkmal ist. Das Electoral College wirkt inzwischen wie ein historisches Relikt, das man aus Versehen an die moderne Demokratie angeschlossen hat.
Und dass Straftäter in vielen Fällen nicht wählen dürfen, halte ich ebenfalls für falsch. Eine Demokratie sollte nicht anfangen, Bürger dauerhaft politisch unsichtbar zu machen. Wer seine Strafe verbüßt hat, gehört wieder zur Gesellschaft inklusive Wahlrecht. Alles andere ist am Ende weniger Demokratie und mehr politisches Aussortieren mit Vintage-Charme.
Auch das Thema rund um den Reflecting Pool in D.C. war wieder so ein Moment, bei dem man sich fragt: Satire? Realität? Oder einfach nur die nächste Folge?
Und von dem UFC-Fight im Garten des White House möchte ich erst gar nicht sprechen...
Mein Filmtipp daher nochmal für alle, die ihn noch nicht kennen:
Idiocracy.
Früher Komödie. Heute Fortbildungsmaterial.