Summer Breeze 2026

Auch das letzte große Festival, welches nicht zu einem (amerikanischen) Großkonzern gehört.
Darf man nur hoffen, dass das lange so bleibt. Livenation hat immer mehr sein Knie auf dem Hals. An deren Künstler kommste da nicht mehr ran.

Vorverkauf sieht auf jeden Fall nach frühem Sold Out aus.
 
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Langsam wirds kühler. Zeit für ein paar warme Gedanken und schöne Erinnerungen.

Ähnlich wie @TheEmperor könnte auch ich in großen Teilen eigentlich die Texte der letzten Jahre copypasten. Daher auch ein wenig knapper diesmal:

Anreise:

Durch die Slotbuchung problemloser denn je. Kurz mal in Sinnbronn oder wo das war gestanden (weiß der Geier, warum sie uns da überhaupt durchgeleitet haben), aber kurz aussteigen, Kippchen rauchen, Kühe anschauen, und schon war das auch erledigt. Das wurde dann letzten Endes auch easy wieder reingeholt, da wir in der Schleuse 5 Minuten tops gebraucht haben. Absurd entspannt.

Camping:

Reservierte Fläche meine große Liebe. Aus der entspannten Schleuse auf den genauso entspannten Campingplatz fahren und sich nicht mit Platzsuche und dem ganzen Bohei, das damit einhergeht, befassen zu müssen, wird mir noch viel höhere Beträge als den, den es aktuell kostet, wert sein. IN der Hinsicht bin ich gerne Zahlschwein.

Shit & Shower:

Vorweg: Von der Toilettensituation kann sich jedes Festival ne Scheibe abschneiden. Über ausreichend aufgereihte und stets saubere Dixies bis hin zu jederzeit sauberen Spülklos bei den Sanitär-Stationen bis zu den auch noch kostenlosen Spültoiletten an diversen Punkten im Infield kann man auf Festivals - als Mann jedenfalls - kaum angenehmer aufs Klo gehen.

Kritik muss ich diesmal allerdings an der Duschsituation üben. Ich hatte es letztes Jahr geschrieben, diese riesen Duschkabinen waren ein dermaßener Luxus, dass alles drunter nur als kapitales Downgrade angesehen werden kann. Und das haben wir auch bekommen. Was an sich verkraftbar gewesen wäre, allerdings gab es für alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einen gemeinsamen Umkleidebereich vor den Duschen. Und das geht einfach nicht, wenn man sich in der Kabine selbst nicht umziehen kann, ohne alles in der Siffe hängen zu haben. Es braucht im Jahr 2026 mehr denn je Rückzugsorte für FLINTA*, wo sie nicht den (bestenfalls!) neugierigen Stielaugen irgendwelcher Typen ausgesetzt sind. Das muss unbedingt besser werden. Das Festival hat den Anspruch, dass sich alle seine Besucher*innen jederzeit so wohl wie möglich fühlen sollen, und das ist so schlichtweg nicht gewährleistet.

Essen & Trinken:

Kann man nicht viel drüber sagen, was nicht bereits in den vergangenen Jahren gesagt worden wäre. Die Auswahl ist sowohl groß als auch gut, auch für einen Veganer wie mich. Massiv teuer ist der ganze Krempel halt. Schön: Auch hier gab es diesmal einen Goud Stand, den ich bei Rock im Park noch erfolgreich übersehen hatte. Was die Bratwurstsemmel mit Sauerkraut da gekostet hat, weiß ich nicht mehr, aber es war so günstig, dass ab dem dritten Tag nichts mehr davon übrig war, weil sich das natürlich instant bei der fleischfreien Fraktion herumgesprochen hat :lol:

Auch fürs Bier würde man letzten Endes gerne weniger zahlen, aber wenn das letzte Festival, das man davor besucht hat, Rock im Park war, wo man für mehr Geld dann auch noch diese ganzen Anheuser Busch Gebräue ertragen musste, dann fühlt sich die Möglichkeit, lederzeit ein leckeres Mönchshof kaufen zu können, so an, als wär man gerade in den Himmel aufgestiegen.

Der Klimawandel und seine Folgen:

Ich will über das Thema gar nicht zu viel schreiben. Das würde ganze Posts rechtfertigen. 5 Tage in Folge 30 Grad und mehr. Das erste Mal eine kleine Wolke gesehen hab ich am Samstag Mittag. Man fühlt sich wie auf einem Strafplaneten. Ich will nicht wissen, wie oft das Festival in dieser Woche kurz vorm Abbruch wegen akuter Großbrandgefahr gestanden haben muss. Am Schluss reicht eine am falschen Ort abgeaschte Kippe und dir brennt der komplette Bums ab, weils staubtrocken war. Hauptsache Samstagabend um halb 9 fängts dann zum Regnen an, wenns auch ja keiner mehr brauchen kann :lol:

Neben den letztes Jahr gepflanzten Bäumen und dem traditionell schattigen Bereich vor der Wera Stage wurden vom Festival wieder einige Maßnahmen für mehr Schatten ergriffen. Die Biergartenflächen mit ihren Sonnenschirmen wurden noch einmal vergrößert. Besonders ins Gewicht gefallen ist außerdem der große Bereich beim Einlass zum Infield, der analog der Überdachung der Wera Stage einfach nur eine große Schattenfläche war. Ich glaube (und hoffe vor allem), dass das auch ein Testballon war, um nächstes Jahr eine ähnliche Konstruktion auch im hinteren Bereich des großen Felds bei der Main Stage aufzubauen.

Leider muss man über den Nachhaltigkeitsaspekt dieser kleinen Lastwagen sprechen, die mit ihren Wassertanks die Wege gewässert haben. Die Ressource Wasser sollte sinnvoller eingesetzt werden. Am Schluss wars wahrscheinlich ein Zugeständnis ans Ordnungsamt, damit man zumindest ein bisschen diese Gefahr der trockenen Böden eliminiert, aber ein Festival, das an so vielen Punkten so auf Nachhaltigkeit achtet, muss sich natürlich die Frage gefallen lassen, warum es da eine solche Tropfen-auf-dem-heißen-Stein-Maßnahme gibt.

Dienstag war ich dazu noch nicht in der Lage. Wollte eigentlich zu Ghetto Justice vor, aber hab nach ca. 30 Sekunden an der Bühne entschieden, dass das mit diesen Temperaturen gerade nicht machbar ist. Von den restlichen Bands des Tages hab ich dann auch nichts gesehen, weil ich mit asozial einen Reinsaufen beschäftigt gewesen bin. Schade, aber Prioritäten musste halt auch setzen.

Mittwoch gings dann mit den Excrementory Grindfuckers los. Ich werd jetzt nicht bei jeder Band über die Temperaturen jammern, aber hier sei es einmal aus dem Weg gebracht: Ich hätte mit nahezu jeder Band, die vor Einbruch der Dunkelheit gespielt hat, mehr Spaß gehabt, wenns 5 bis 15 Grad weniger gehabt hätte. Hatte aber natürlich trotzdem wie immer eine gute Zeit. Schöner Auftakt. Nach kleiner Erholungspause gings dann mal wieder zu Airbourne. Sags ja immer gerne, ich hör die daheim nie, aber live ist das immer spaßig. Noch dazu war ich in Begleitung von zwei Leuten, mit denen ich sonst nur höchst selten in den Genuss eines gemeinsamen Musikgeschmacks komme, das war schön. Mit dem selben Personal gings dann weiter zu Paradise Lost, die ich vielleicht noch nie so stark gesehen hab. Was für ein wunderbarer Auftritt, was für ein Smalltown Boy Cover! Danach gings kurz ins Camp, kurz mal abchecken, wer mit zu Hatebreed geht. Kumpel eingesackt und ab dafür. Geiler Auftritt. Gibt wenige Bands, die mein Stumpf-in-die-Fresse-Bedürfnis so sehr befriedigen wie die. Den Tagesabschluss gab es für mich dann mit meiner großen Liebe Alcest. War für mich jetzt das zehnte Mal, und es war schön wie eh und je. Ich hätte mir mehr alte Sachen in der Setlist gewünscht, aber für mittleres Heuli hats am Schluss natürlich trotzdem dicke gereicht. Danach hätte ich eigentlich gerne noch 802 geschaut, aber mein Körper hat mir zu Verstehen gegeben, dass das nicht mehr funktionieren wird. Schade. Ebenfalls schade: Im Laufe des Tages Green Lung und Can Bardd an Überschneidungen verloren.

Donnerstag gings viel zu früh mit Broken By The Scream los. Der Wacken Stream ein paar Wochen zuvor war überzeugend, daher war ich nicht überrascht, wie viel Spaß ich hatte. Zum Glück war das nicht so ein Babymetal Quatsch, das hatte so nen dicken musikalischen Unterbau, dass es zu keinem Zeitpunkt Gefahr gelaufen ist, einfach nur Gimmick zu sein. Nach einer kurzen Hydration Break gings weiter mit Rectal Smegma, die zwar nicht unspaßig waren, sich für mich aber zu routiniert angefühlt haben. So Gore Grind Gerödel wird mir immer gut reingehen, aber verglichen mit dem Spaßfaktor von etwa Gutalax oder Brutal Sphincter konnte das leider nicht mithalten. Mit Saxon wurde dann eine große Lücke im Wolfschen Live Katalog geschlossen. Ist eine Band, mit der ich musikalisch nicht krass viel verbinde, daher hats mich musikalisch jetzt auch nicht so riesengroß abgeholt, aber was die alten Männer da auf die Bühne gerockt haben, war trotzdem aller Ehren wert und muss sich vor weit jüngeren Genrevertretern nach wie vor nicht verstecken. Schön, dass die Szene noch Leute wie Biff hat. Mushroomhead hatten mich ein paar Stunden später eigentlich schon mit dem Spongebob Intro vom Band. Und wenn die erste Ansage dann auch noch "We are Slayer. Welcome to Disneyland!" lautet, dann bin ich dem Charme ja ohnehin schon ganz erlegen. Musikalisch war das das, was man erwarten konnte. Viel Fokus auf Percussion, alles tight gespielt, aber am Schluss nicht allzu spannend komponiert. Trotzdem ein cooler Auftritt, den ich gern gesehen hab. Danach gings zu Groza. Unerwartet schön, unerwartet emotional. Kleines Heuli gemacht. Zum Abschluss des Tages gab es mit Blackbraid dann noch eines meiner großen Festivalhighlights. Das war musikalisch so und so ganz groß. Aber ich war dann auch noch in genau dem richtigen Ausmaß angetrunken und -geraucht, dass ich richtig in der Zone gelandet bin. Ein Plädoyer für Rauschzustände war das :lol: Verloren gegangen sind mir an diesem Tag aus diversen Gründen leider I Am Your God und Saor.

Freitag merkt man dann so langsam richtig, was man sich hier seit drei Tagen angetan hat. Aber Aufgeben ist keine Option. Vor 19 Uhr keine Band zu sehen, weil da so Blödsinn wie TBS und Nanowar of Steel gespielt hat allerdings schon. Naja, rein mit Lamb of God in den Abend. Die hör ich daheim auch recht selten, bieten aber immer ein dickes Live-Erlebnis, so auch diesmal. Danach gings zu Perchta, die mich leider gar nicht abgeholt haben. Schade. Der Weg einer Freiheit haben dann wenig später die Stimmung wieder gehoben. Mit Deafheaven gabs wenig später dann mein ganz großes Festival Highlight. Was ein Song wie Dream House mit mir macht, ist an diversen Stellen im Forum gut nachzuvollziehen. Großes, großes Heuli. Danach gings zu Bizarrekult. Hatte Heuli-Kopfweh und auch der Auftritt war recht blutleer, das war dann erstmal bissl Kater. Aber mit Wolves In The Throne Room hat der Tag dann ein mehr als versöhnliches Ende gefunden. Leider das einzige Mal, das ich dieses Festival wirklich bis 3 durchgehalten hab, aber das wars wert.

Am letzten Tag hat mich der ganze Blödsinn dann endgültig eingeholt. Soen und Mol hintenraus waren körperlich einfach nicht mehr drin. Sehr, sehr schade, das wären sicher zwei Highlights geworden. Ebenfalls bedauerlich: Mit Haeresis ist ein weiteres potentielles Highlight leider einer ärgerlichen Überschneidung zum Opfer gefallen. So gab es am letzten Festivaltag für mich nur noch vier Bands zu sehen. Erstaunlicherweise nicht dazu gehört haben die von mir ansonsten heiß geliebten Kadavar, die sich in einem seltenen Fehlgriff bei der Ausarbeitung des Timetables mit den musikalisch eng verwandten Wucan überschnitten haben. Da ich letztere noch nie gesehen habe, hab ich denen diesmal den Vorzug gegeben, und ich habs auch nicht bereut. Tolle Band, tolle Attitüde. Wer Krautrock, Hard Rock, Querflöten und politisch stabile Ansagen so zu verbinden weiß, der gehört auf solche Bühnen. Orbit Culture und Testament haben im Anschluss beide Spaß gemacht, ohne dass man groß mehr dazu sagen könnte. Anschließend galts nochmal Kräfte zu sammeln für ein ganz großes Highlight. Ich liebe Helloween seit locker 20 Jahren und ich werd diese Band immer lieben. Eben diese 20 Jahre hab ich drauf gewartet, Michael Kiske mal Eagly Fly Free singen zu hören. Allein dafür wars das wert. Aber natürlich war die Setlist noch reich an weiteren Highlights aus der Keeper Era. Ey, das war einfach schön. Das war so ein schöner Abschluss.

Was gibts sonst noch zu sagen? Ich liebe dieses Festival. Und ich liebe meine Crew. Ich häng da fünf Tage lang mit einigen meiner engsten Freund*innen rum. Jede Sekunde, in der ich nicht in der Musik aufgehe, gehört diesen Nasen. Und ich würds nicht anders wollen. Ticket für 2027 wurde natürlich umgehend bestellt. Nächstes Jahr dann vielleicht auch mal gelegentlich unter 30 Grad und ich bin rundum zufrieden.
 
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