Dienstag war ich dazu noch nicht in der Lage. Wollte eigentlich zu
Ghetto Justice vor, aber hab nach ca. 30 Sekunden an der Bühne entschieden, dass das mit diesen Temperaturen gerade nicht machbar ist. Von den restlichen Bands des Tages hab ich dann auch nichts gesehen, weil ich mit asozial einen Reinsaufen beschäftigt gewesen bin. Schade, aber Prioritäten musste halt auch setzen.
Mittwoch gings dann mit den
Excrementory Grindfuckers los. Ich werd jetzt nicht bei jeder Band über die Temperaturen jammern, aber hier sei es einmal aus dem Weg gebracht: Ich hätte mit nahezu jeder Band, die vor Einbruch der Dunkelheit gespielt hat, mehr Spaß gehabt, wenns 5 bis 15 Grad weniger gehabt hätte. Hatte aber natürlich trotzdem wie immer eine gute Zeit. Schöner Auftakt. Nach kleiner Erholungspause gings dann mal wieder zu
Airbourne. Sags ja immer gerne, ich hör die daheim nie, aber live ist das immer spaßig. Noch dazu war ich in Begleitung von zwei Leuten, mit denen ich sonst nur höchst selten in den Genuss eines gemeinsamen Musikgeschmacks komme, das war schön. Mit dem selben Personal gings dann weiter zu
Paradise Lost, die ich vielleicht noch nie so stark gesehen hab. Was für ein wunderbarer Auftritt, was für ein Smalltown Boy Cover! Danach gings kurz ins Camp, kurz mal abchecken, wer mit zu
Hatebreed geht. Kumpel eingesackt und ab dafür. Geiler Auftritt. Gibt wenige Bands, die mein Stumpf-in-die-Fresse-Bedürfnis so sehr befriedigen wie die. Den Tagesabschluss gab es für mich dann mit meiner großen Liebe
Alcest. War für mich jetzt das zehnte Mal, und es war schön wie eh und je. Ich hätte mir mehr alte Sachen in der Setlist gewünscht, aber für mittleres Heuli hats am Schluss natürlich trotzdem dicke gereicht. Danach hätte ich eigentlich gerne noch
802 geschaut, aber mein Körper hat mir zu Verstehen gegeben, dass das nicht mehr funktionieren wird. Schade. Ebenfalls schade: Im Laufe des Tages
Green Lung und
Can Bardd an Überschneidungen verloren.
Donnerstag gings viel zu früh mit
Broken By The Scream los. Der Wacken Stream ein paar Wochen zuvor war überzeugend, daher war ich nicht überrascht, wie viel Spaß ich hatte. Zum Glück war das nicht so ein Babymetal Quatsch, das hatte so nen dicken musikalischen Unterbau, dass es zu keinem Zeitpunkt Gefahr gelaufen ist, einfach nur Gimmick zu sein. Nach einer kurzen Hydration Break gings weiter mit
Rectal Smegma, die zwar nicht unspaßig waren, sich für mich aber zu routiniert angefühlt haben. So Gore Grind Gerödel wird mir immer gut reingehen, aber verglichen mit dem Spaßfaktor von etwa Gutalax oder Brutal Sphincter konnte das leider nicht mithalten. Mit
Saxon wurde dann eine große Lücke im Wolfschen Live Katalog geschlossen. Ist eine Band, mit der ich musikalisch nicht krass viel verbinde, daher hats mich musikalisch jetzt auch nicht so riesengroß abgeholt, aber was die alten Männer da auf die Bühne gerockt haben, war trotzdem aller Ehren wert und muss sich vor weit jüngeren Genrevertretern nach wie vor nicht verstecken. Schön, dass die Szene noch Leute wie Biff hat.
Mushroomhead hatten mich ein paar Stunden später eigentlich schon mit dem Spongebob Intro vom Band. Und wenn die erste Ansage dann auch noch "We are Slayer. Welcome to Disneyland!" lautet, dann bin ich dem Charme ja ohnehin schon ganz erlegen. Musikalisch war das das, was man erwarten konnte. Viel Fokus auf Percussion, alles tight gespielt, aber am Schluss nicht allzu spannend komponiert. Trotzdem ein cooler Auftritt, den ich gern gesehen hab. Danach gings zu
Groza. Unerwartet schön, unerwartet emotional. Kleines Heuli gemacht. Zum Abschluss des Tages gab es mit
Blackbraid dann noch eines meiner großen Festivalhighlights. Das war musikalisch so und so ganz groß. Aber ich war dann auch noch in genau dem richtigen Ausmaß angetrunken und -geraucht, dass ich richtig in der Zone gelandet bin. Ein Plädoyer für Rauschzustände war das

Verloren gegangen sind mir an diesem Tag aus diversen Gründen leider
I Am Your God und
Saor.
Freitag merkt man dann so langsam richtig, was man sich hier seit drei Tagen angetan hat. Aber Aufgeben ist keine Option. Vor 19 Uhr keine Band zu sehen, weil da so Blödsinn wie TBS und Nanowar of Steel gespielt hat allerdings schon. Naja, rein mit
Lamb of God in den Abend. Die hör ich daheim auch recht selten, bieten aber immer ein dickes Live-Erlebnis, so auch diesmal. Danach gings zu
Perchta, die mich leider gar nicht abgeholt haben. Schade.
Der Weg einer Freiheit haben dann wenig später die Stimmung wieder gehoben. Mit
Deafheaven gabs wenig später dann mein ganz großes Festival Highlight. Was ein Song wie Dream House mit mir macht, ist an diversen Stellen im Forum gut nachzuvollziehen. Großes, großes Heuli. Danach gings zu
Bizarrekult. Hatte Heuli-Kopfweh und auch der Auftritt war recht blutleer, das war dann erstmal bissl Kater. Aber mit
Wolves In The Throne Room hat der Tag dann ein mehr als versöhnliches Ende gefunden. Leider das einzige Mal, das ich dieses Festival wirklich bis 3 durchgehalten hab, aber das wars wert.
Am letzten Tag hat mich der ganze Blödsinn dann endgültig eingeholt.
Soen und
Mol hintenraus waren körperlich einfach nicht mehr drin. Sehr, sehr schade, das wären sicher zwei Highlights geworden. Ebenfalls bedauerlich: Mit
Haeresis ist ein weiteres potentielles Highlight leider einer ärgerlichen Überschneidung zum Opfer gefallen. So gab es am letzten Festivaltag für mich nur noch vier Bands zu sehen. Erstaunlicherweise nicht dazu gehört haben die von mir ansonsten heiß geliebten
Kadavar, die sich in einem seltenen Fehlgriff bei der Ausarbeitung des Timetables mit den musikalisch eng verwandten
Wucan überschnitten haben. Da ich letztere noch nie gesehen habe, hab ich denen diesmal den Vorzug gegeben, und ich habs auch nicht bereut. Tolle Band, tolle Attitüde. Wer Krautrock, Hard Rock, Querflöten und politisch stabile Ansagen so zu verbinden weiß, der gehört auf solche Bühnen.
Orbit Culture und
Testament haben im Anschluss beide Spaß gemacht, ohne dass man groß mehr dazu sagen könnte. Anschließend galts nochmal Kräfte zu sammeln für ein ganz großes Highlight. Ich liebe
Helloween seit locker 20 Jahren und ich werd diese Band immer lieben. Eben diese 20 Jahre hab ich drauf gewartet, Michael Kiske mal Eagly Fly Free singen zu hören. Allein dafür wars das wert. Aber natürlich war die Setlist noch reich an weiteren Highlights aus der Keeper Era. Ey, das war einfach schön. Das war so ein schöner Abschluss.