Leider habe ich immer mehr das Gefühl, dass es bei der Fußball-WM schon lange nicht mehr in erster Linie um den Sport geht.
Wenn man bereits vor dem Turnier Prognosen liest, nach denen sich die FIFA bei diesem Event erneut um mehrere Milliarden US-Dollar bereichern soll, wird mir ehrlich gesagt schlecht. Natürlich ist klar, dass so ein Großereignis Geld kostet und auch Einnahmen generieren muss. Aber die Dimensionen, in denen das mittlerweile stattfindet, haben für mich kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Gedanken des Sports zu tun.
Besonders deutlich wird das bei den Ticketpreisen. Diese sind schon lange absurd hoch und steigen gefühlt alle zwei beziehungsweise vier Jahre weiter ins Unermessliche. Ich würde mir wirklich gerne einmal ein hochkarätiges Spiel live im Stadion anschauen. Aber wenn man dafür inzwischen einen vierstelligen Betrag zahlen muss, vergeht mir die Lust daran komplett.
Der Sport und auch die Stadien waren doch ursprünglich einmal dafür da, Fußball einer breiten Masse zugänglich zu machen. Natürlich durfte und sollte dabei auch Gewinn entstehen, um Infrastruktur, Nachwuchsarbeit und den Sport selbst weiterzuentwickeln. Aber aktuell wirkt es immer mehr so, als würden Live-Sportveranstaltungen zu reinen „Premium Live Events“ gemacht, bei denen normale Fans zunehmend ausgeschlossen werden.
Genau darin sehe ich das Problem: Fußball entfernt sich immer weiter von den Menschen, die ihn groß gemacht haben.
Dazu kommt, dass auch die Ethik der FIFA mehr als hinterfragt werden muss. Ob Vergaben, wirtschaftliche Interessen, Arbeitsbedingungen, politische Verstrickungen oder der Umgang mit Fans. Es entsteht immer wieder der Eindruck, dass moralische Fragen hinter Profit und Machtinteressen zurückstehen müssen.
Für mich bleibt deshalb die Frage: Wie viel hat eine Fußball-WM heute noch mit Sport, Leidenschaft und Fankultur zu tun und wie viel ist inzwischen einfach nur noch ein gigantisches Geschäftsmodell?