Ach, Highfield. Was soll man sagen? Wegen deinem Lineup hat man dich dieses Jahr sicherlich nicht besucht. Aber nach über zehn Jahren bist du eben einfach zum festen Bestandteil des Sommers geworden, und wenn es dann noch das vorerst letzte Mal sein soll, ist der Abschiedsbesuch natürlich Pflicht. Deshalb sind wir deiner Einladung zum "One Last Dance" gefolgt.
Mit dem neuen Gelände hätte ich mich persönlich sogar halbwegs anfreunden können, was aber sicherlich auch mit der spürbar geringeren Besucherzahl zusammenhängt. Und damit ist ein Festival der Größenordnung kaum noch wirtschaftlich machbar, I get it. Zumal die Entscheidungen der letzten Jahre offensichtlich eine immer stärker werdende Abwärtsspirale erzeugt haben.
Der Abschied war über das Wochenende durchgehend präsent. "One Last Dance" begrüßt einen schon beim Eingang auf das Infield und strahlt einem dann auch von der Bühne entgegen. Kaum eine Band, die sich nicht beim Festival bedankt hätte und entsprechend war es auch bei den Besuchern ständig Thema, dass das alles hier nun wohl wirklich zum letzten Mal stattfindet. Vier Tage lachendes und weinendes Auge unter der Gluthitze des kältesten Sommers unserer Zukunft.
Dann ist der Moment gekommen und die letzte Band des Festivals steht auf der Bühne. Die Beatsteaks sind angetreten, um dem Highfield die letzte Ehre zu erweisen. Ein gut gelaunter Arnim führt durch die Show und natürlich legen die Beatsteaks ein gewohnt headlinerwürdiges Set hin. Man erwischt sich mehrmals beim Gedanke: Gott sei Dank ging der letzte Headliner-Tag nicht an SDP.
Um Punkt 0 Uhr gehen die Beatsteaks von der Bühne und das Outro startet. Die meisten Menschen bleiben stehen und blicken erwartungsvoll Richtung Bühne und Leinwände. Das Finale ist gespielt, jetzt muss es ja sicherlich noch einen krachenden Abschluss geben, um kollektiv schluchzend nicht nur dem Headliner, sondern nun vor allem auch noch dem Festival und all den damit verbundenen persönlichen Erinnerungen zu applaudieren. Man erwartet ein Feuerwerk, ein emotionales Abschiedsvideo, vielleicht Gruppenkuscheln von ein paar Veranstaltern auf der Bühne, wenigstens einen "Time to say Goodbye" Einspieler. Aber es passiert: Nichts. Irgendwann beginnt tonlos eine "Danke Highfield" Animation in Endlosschleife zu laufen, die leider arg nach KI riecht und in puncto Lieblosigkeit jede Bierwerbung noch übertrumpft. Im Publikum macht sich so langsam Fassungslosigkeit breit, kaum jemand kann glauben, dass es das jetzt einfach so gewesen sein soll. Noch zögern viele, aber als dann das Licht angeht und der Bautrupp schon auf der Bühne steht, um sie ein letztes Mal abzubauen, wird so langsam klar: Das war es jetzt wirklich, da kommt nichts mehr. Statt einem ekstatischen Abschied fühlt es sich leider nach coitus interruptus an. Euer scheiß Ernst, FKP? Das war nicht nur lieblos, das war würdelos.
Liebes Highfield, ich werde dich vermissen. Nicht deine Entwicklungen der letzten Jahre, aber das, für was du als Festival für mich stehst und all die Erinnerungen, die ich mit dir verbinde. Wenn an den Gerüchten was dran ist, wird zumindest dein Gelände erhalten bleiben und vielleicht sieht man sich dann in einigen Jahren mit einem neuen Konzept nochmal wieder am Störmthaler See. Ich würde mich freuen 🥰